Textfunde zur Auswanderung in alten Zeitungen.
Die Texte werden in der Originalschreibweise wiedergegeben.

Amtsblatt der Königlich-Baierischen Regierung des Rheinkreises
Ausgabe 1 vom  8. Januar 1818 - Seite 35

Heimliche Auswanderungen betreffend.

Maximilian Joseph,
von Gottes Gnaden König von Baiern.

In Erwägung, daß die Bewohner Unseres Rheinkreises von dem verderblichen Hange zum Wegziehen 
in fremde Lande sowohl durch die  dagegen  getroffenen  Verfügungen,  als  durch  belehrende , zum
Theil mit eigenem Schaden gemachte Erfahrungen, immer mehr zurück kommen,  und in der Absicht,
die   möglichste  Schonung  gegen  Verirrte,   so   wie  die   der   Heiligkeit  des   Eigenthums   überall
gebührende  Achtung  mit  der  nöthigen  Strenge gegen gewissenlose Betrüger zu verbinden, welche
dergleichen Auswanderungen aus Gewinnsucht veranlassen und zu  befördern  streben,  genehmigen
Wir, nach  gutachtlichem  Antrage,  daß  die  Verordnungen  vorn  17ten Junius  und  19ten Julius v. J.
nunmehr in nachfolgender Weise modifizirt werden:

1. Das Vermögen der ohne  Erlaubniß  ausgewanderten  Unterthanen  ist  auf  die  erste  Anzeige  von
deren Entfernung sofort in Beschlag zu nehmen, und unterliegt,  gemäß  den  Bestimmungen  Unseres
Edikts vom 29ten August 1808, der temporären Einziehung.

2, Die binnen Jahresfrist in ihre Heimlich verlassene  Heimath  zurückkehrenden  Emigranten  können,
nach Befund der Umstande, und soferne sie nicht durch anderweitiges Verschulden sich solcher Milde
unwürdig gemacht haben, durch gehörig motivirten Beschluß unserer  Regierung  in  den  Besitz  und
Genuß   ihres   sequestrirten  Vermögens,  ohne  Abzug,  aber  auch  ohne  Zinsen  wieder  eingesetzt
werden.

3.Die in den Art. 4 und 5  obiger  Verordnung  vom  19ten Julius 1816 ausgesprochene  Ungültigkeit  ist
fortan auf solche Güter-Käufe zu beschränken wobei der Käufer  erweislichermaßen  Mit-Wissenschaft
von der Absicht heimlicher Auswanderung des Verkäufers hatte,  und  sonach  als Begünstiger gesetz-
widriger Handlung erscheint.

München, den 12. November 1817.
Max Joseph.
     Graf von Rechberg.

Auf königlichen allerhöchsten Befehl.
der General - Sekretär
                      v. Baumüller.

Vorstehende allerhöchste Verordnung, mit deren Vollzug die administrativen und  Justiz-Behörden, so
weit es jede betrifft, beauftragt  sind,  wird  durch  das  Amtsblatt  mit  dem  Beifügen  hiemit  bekannt
gemacht:
Daß das §. l  angezogene   allerhöchste   Edikt   vom   29ten  August 1808   folgende  hieher   gehörige
Bestimmung enthält:
Bei Auswanderungen ohne Bewilligung wird zwar dem Ausgewanderten  der  Besitz  und  der  Genuß
des Vermögens; benommen,  dasselbe  soll  aber  den  rechtmäßige   Erben - welche  sich  nach  dem
Tode des Ausgewanderten  dazu  legitimiren  werden, ohne  Abzug  aber  auch  ohne  Zinsen  wieder
verabfolgt werden, 
Wieferne die Erbschaft an auswärtige  Erben  gelangen  kann,  hängt  von  der  Reciprocität  und  den
Staats-Verträgen ab. 
Die königlichen Bezirks-Behörden  haben  hiernach die Beschlagnehmung  bei vorkommenden Fällen
zu veranlassen, den  Sequester  zu  bestellen,  und  sodann  der  königlichen  Regierung  zur  weitern
Verfügung Anzeige zu machen.
Speier, den 7. Januar 1818

Kön. baier. Regierung des Rheinkreises,
Kammer des Innern.
v. Stichaner, Präsident.
v. Stengel, Director.

H. Sonntag, Secretär.

Speyerer-Zeitung 6.02.1833

Auswanderungen aus Rheinbaiern.
Manche  Leute,  und  zwar  gerade   solche,  welche   die  Sache  nicht  näher  kennen,  wie  z. B.  die
Augsburger Allgemeine Zeitung,  haben,  theilweise,  mit  sehr  vornehm  thuender  Miene,  in  Zweifel
ziehen wollen, ob die Angaben der Speyerer Zeitung über die stattfindenden zahlreichen  Auswander-
ungen nicht  übertrieben seien.  Wer  diese  Verhältnisse aus  eigener Erfahrung  kennt, hat sich  ohne
Zweifel überzeugt, daß die Wirklichkeit unsere  Schilderungen noch  weit übertrifft.  Für Jene,  welche
nicht im Falle sind, sich durch eigenen  Anblick von  dem Gesagten zu  überzeugen, geben  wir  einen
weitern Beweis.Unter den während des ganzen  Monats  Januar  des  laufenden  Jahres  erschienenen
Intelligenzblättern des Rheinkreises (oder vielmehr Amtsblatt-Beilagen) ist auch  nicht  ein  Einziges, in
welchen  nicht  Answanderungen  aus  Rheinbaiern  (amtlich)  augezeigt  wären. Nro.1 bringt 3 solcher
Auswanderungsanzeigen, Nro. 2  15;  Nro.3  3;  Nro.4  4; Nro.5  1;  Nro.6  64;  Nro.7 10; Nro.8  34; Nro.9 7;
Nro.10 5; Nro.1l  38, und Nro.12  10; zusammen 194 Auswanderungsanzeigen.  Aber  es  sind  nicht  blos
194 Personen, es sind größtentheils ganze Familien.  Nach  den  gedachten  amtlichen  Anzeigen  sind
unter  jener  Anzah l  62  Verheirathete,   was,  die   Familie  zu   5   Personen   gerechnet,   ausmacht,
310 Personen, Ledige 15 Personen.  Von 117 geben  die  Berichte  nicht  an,  ob  dieselben  ledig  oder
verheirathet sind. Nachdem,  was man  von  den  namentlich  angeführten  Personen  weiß,  und  nach
dem Verhältniß der erwähnten Angaben  (62 Verheirathete  auf  15 Ledige), darf  man  sicherlich  ohne
Uebertreibung annehmen, daß sich unter den fraglichen 117
wenigstens ¾  d. i. 91, Verheirathete befinden, 
was wieder ergibt                            425 Personen,
dazu den Rest als Ledige gerechnet 26 Personen
                                                        -----------------
                                   Zusammen   806 Personen 
Zudem wird die Auswanderung von sehr vielen Personen nicht amtlich angezeigt  (wie wir  erst  dieser
Tage den Beweis in Speyer hatten).
So  ergibt  denn  für  Rheinbaiern  ein   Verlust  von   allerwenigstens  800  Personen   während   eines
einzigen Monats! Und - was Vielen vielleicht das Wichtigste ist, es sind diese Auswanderer (von denen,
im Vorbeigehen bemerkt, nur 4 in Europa  zu  bleiben  gedenken) ,  keineswegs,  wie  man   früher  zu
sehen gewöhnt war, blos arme Leute, welche diesseits nicht leben konnten; nein,  es  ziehen  mitunter
gerade die Wohlhabendsten und Reichsten fort.  Leute,  welche zum  Theil ein  Vermögen von 100,000
Gulden und darüber besitzen. 
Wie man auch über die Auswanderungen nach Amerika urtheilen möge, so ist es jedenfalls  zwecklos, 
Thatsachen , wie die vorliegenden, in Abrede  stellen  oder  zweifelhaft  machen  zu  wollen;  eben  so
zwecklos ist es aber auch, die  Leute  durch  Briefe,  welche  weiter  nichts  als  die  Unwissenheit  des
Schreibers   beurkunden,  von   einem   einmal  in  eine   ganze  Nation   übergegangenen   Gedanken
abbringen zu wollen: es gibt  unserer  Ueberzeugung  nach  nur  ein  einziges  Mittel,  den  dermaligen
Auswanderungen aus den Rheingegenden erfolgreich entgegen  zu  wirken,  es  heißt  durchgreifende 
Reform des ganzen bürgerlichen und politischen Zustandes!

Königlich Bayerisches Amts- und Intelligenzblatt für die Pfalz
Nr.9 vom 7. Februar 1849 - Seite 47

pr. den 4. Februar 1849.

Bekanntmachung und Aufforderung.
(Verstümmelung junger militärpflichtiger Bursche betr.)
Seit  einigen  Jahren  kommt  es  in   dem   Kantone  Germersheim  und   in  mehreren  an  denselben
grenzenden  Gemeinden  des  Kantons   Edenkoben  auffallend  oft  vor,   dass  junge  militärpflichtige
Bursche  plötzlich   an   einzelnen   Gliedmaßen,   gewöhnlich  an  der   rechten   oder   linken   Hand,
verstümmelt und dadurch zum Militärdienste untauglich werden. Dieselben geben dann an, sie hätten
sich unvorsichtiger Weise beim Holzhauen  und dergleichen  Arbeiten  beschädigt oder aber ein Pferd
habe sie gebissen, während durch den  Gerichtsarzt  stets  die  Ueberzeugung  ausgesprochen  wurde,
die betreffende Verstümmelung sey in  Folge freiwilligen  Entschlusses  geschehen  und zwar offenbar
unter Hülfeleistung  eines  Individuums  (vielleicht  eines  Barbiers  oder  Wundarztes)  das  in  solchen
Operationen  eine  gewisse  Gewandtheit  erlangt habe.  -  Da durch solche Selbstverstümmlung  nicht
allein eine Pflichtverletzung gegen das Vaterland,  indem dadurch der Dienst in der Armee unmöglich
gemacht wird,  sondern auch  eine  Verletzung  der  Rechte anderer,  welche für die auf solche Weise
freigewordenen Conscriptionspflichtigen  in die Armee eintreten müssen,  herbeigeführt wird  und  die
Gesetze diese Handlungen mit  schwerer  Gefängniß-  und  Geldstrafe,  sowie  mit  dem  Verluste  sehr
wichtiger staatsbürgerlicher  Rechte bedrohen,  so  wird hierdurch öffentlich vor solchem gefährlichen
Treiben   verwarnt   und   zugleich   Jedermann,   welcher  irgendwie  Aufschluß  über  die  einzelnen
derartigen  Vorfälle  oder  über  die  Person  des  Operateurs  zu  geben vermag,  aufgefordert, dieses
ungesäumt bei dem Unterzeichneten oder der nächsten Polizeibehörde zu thun.

Landau, den 3l. Januar 1849.
Der Königl. Staatsprocurator.
Paraquin, Subst.

1851 Pfälzer-Zeitung über den US-Census

Amerika.
Neuyork, 9. Juni. Endlich ist der siebente Census der Vereinigten  Staaten  (für das Jahr 1850)  ziemlich
vollständig   erschienen,   wonach   sich   die   gegenwärtige   Bevölkerung  derselben  auf   23,397,311
herausstellt. Hiervon fallen auf die freien Staaten l3,348,446 Weiße und  l84,882 freie  Farbige,  also  im
Ganzen 13,,533,828; auf  die  Sklavenstaaten 6,268,729 Weiße, 224,3l8 freie Farbige,  3,206,425 Sklaven,
also im Ganzen 9,699,472. Vor 61 Jahren hatte  die  Republik  weniger als  4 Millionen  Einwohner; seit-
dem ist sie auf mehr als 23 Millionen gestiegen. Dasselbe Verhältnis des Wachsthums für die  nächsten 
fünfzig Jahre wird eine Gesamtbevölkerung von 100  Millionen  für  den  Beginn  des  20. Jahrhunderts 
ergeben. Die Zahl der Sklaven· ist von 697,897 im Jahre 1790 auf 3,206,425 im Jahre 1850 gestiegen.
(O. P. A. Z.)

1851 Pfälzer Zeitung 6.August

(Das heimliche Auswandern nach Amerika betreffend)
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
Nachdem der unterfertigten Stelle nicht  unbekannt  geblieben  ist,  wie  sehr  sich  in  neurer  Zeit  die
heimlichen Auswanderungen mehren, obwohl die  vorschriftsmäßige  Auswanderungs-Erlaubniß  beim
Nachweis der, im eigenen Interesse und  zur  Sicherheit  der  Betheiligten  gestellten  Vorbedingungen
ohne Anstand ertheilt wird, sieht sie  sich  um  so  mehr  veranlaßt,  die  Vorschriften  rücksichtlich  der
Gesuche um Bewilligung zur Auswanderung nach Nordamerika  öffentlich  in  Erinnerung  zu  bringen,
als bereits auf diplomatischem Wege Einleitung getroffen ist, daß alle diejenigen, welche etwa nur  im
Besitze von bloßen Ueberfahrtsverträgen, Heimatsscheinen, von Dienst- und Wanderbüchern sind,  und
auf den Grund derselben die Auswanderung, resp. Einschiffung an den Seeplätzen  versuchen  sollten,
und nicht vielmehr sich durch die vorgeschriebenen  Legitimationen,  namentlich  einen,  speziell  auf
die Reise nach Nordamerika behufs  der   Ansässigmachung dortselbst, nnd die ihnen förmlich ertheilte
 Auswanderungs-Bewilligung ausweisen können,  ohne alle  Nachsicht  und  ohne  Rücksicht  auf  etwa
hiedurch entstehende Vermögensverluste an den Seeplätzen  zurückgewiesen werden:
1.Vor Allem wird, was das Mißliche des Unternehmens bei einer beabsichtigten Auswanderung beträgt, 
auf die diesfallsigen Belehrungen  und Warnungen  hingewiesen, wie  sie  in  den  Bekanntmachungen
vom 20. October t832 (Amtsblatt S. 608);
2t. Oktober 1836 (Amtsblatt S. 608); 12. April t837 (Amtsblatt S. 199);
28. April 1837 (Amtsblatt S. 216); 21. November 1838 (Amtsblatt S. 474);
29. April 1841 (Amtsblatt S. 245); 21. Juli 1846 Amtsblatt S. 363);
und   in   dem   wohlgemeinten   Rathe   der   deutschen   Gesellschaft   von   Maryland   an    deutsche
Auswanderungslustige vom 3. October 1834 (Besondere Beilage zu Nro. 15 des Amtsblattes pro 1835),
enthalten sind, wie denn die betreffenden kgl. Landkommissariate im Hinblick auf
§. 5 der Verordnung vorn 17. Juni 1816 Amtsbl. S. 78);
und die Ausschreiben vom 21. September 1837. ad Num. 17844 W., 15. Juli 1889, ad Num.. 12742 C.,
und 15. Mai 1847,  ad Num. 15311 M.,  nicht  ermangeln  werden,  bei  beabsichtigten  Auswanderungen
die  Betheiligten  über  das  Gewagte  und  die  möglichen  ungünstigen Folgen eines solchen Schrittes
geeignet aufzuklären, im Falle aber  solche  nichtsdestoweniger  bei  ihrem  Entschlusse  beharren  sie 
über  die  räthlichste  Art  und  Weise  der  Ausführung, i nsbesondere  über  die  bei  Abschließung  der
Ueberfahrts-Contrakte zu  beobachtenden  Vorsichtsmaßregeln,  umständliche  Belehrung  zugehen  zu
lassen.

2. Die Gesuche um Bewilligung zur Auswanderung nach Nordamerika  sind  bei  den,  zur  betreffenden
Instruktion  und  Bescheidung  zuständigen kgl. Landkommissariaten  anzubringen  und  mit  folgenden
Producten zu belegen:
a) dem Geburtsact,
b) einem Zeugnis des Bürgermeisteramtes  über  Vermögensstand,  und  des  Einnehmers  über  erfüllte
Verbindlichkeiten in Ansehung der Bezahlung der Steuern und Gemeindegelder.

3. Die öffentliche Ausschreibung einer beabsichtigten Auswanderung, gemäß
Art 1 der Verordnung  vorn  19. Juli 1816  (Amtsblatt S. 114) darf  nie  unterlassen  werden,  weßhalb  im
Hinblick auf das  Ausscheiden  vom  28. November t846  (Amtsblatt S. 569)  jeder  Auswanderungslustige
mit der Uebergabe seines  Gesuches bei dem  königl. Landkommissariate  den  Betrag von 1 fl  20 kr zu
deponieren hat,  damit daraus die betreffenden Insertionsgebühren für  die  in der  Beilage  zum  Amts-
und Intelligenzblatt aufgenommene Anzeige berichtigt werden kann.

4. Minderjährige, welche  noch  unter  väterlicher Gewalt oder Vormundschaft stehen, also nicht rechts-
förmlich emancipirt sind, und gemäß Art. 108 des code civil das ihnen gesetzlich  zugewiesene Domizil
ihrer Eltern oder ihres Vormundes nicht  verändern  können, kann die  Bewilligung  zur  Auswanderung
ohne Begleitung ihrer Eltern oder ihres Vormundes nicht ertheilt werden, wie denn 
5) gemäß
Art. 2 und 3 der Verordnung vorn 19. Juli 1816 ;
zu erheben ist, ob der Auswandernde als Vormünder oder Curator seinen diesfallsigen Verpflichtungen 
Genüge geleistet hat.

6. Auswanderer, welche bereits im Alter der Conscriptions- oder Armeepflichtigkeit  stehen  und  dienst-
tauglich sind, hoben einen diensttauglichen Ersatzmann  zu  stellen,  wogegen  der  Umstand.  daß  ein
Auswanderungslustiger sich im Vorjahre der  Conscriptionspflichtigkeit  befindet, sofern  er  nicht  unter
väterlicher Gewalt oder Vormundschaft  stehen  sollte,  ein  Hinderniß  der  Auswanderungsbewilligung
nicht bildet. 
§. 67 des Heerergänzungsgesetzes vom 15. August 1828; 
Ausschreiben vom 10. October 1848, ad Num. 21742 Y.

7. Die Gesuchsteller haben sich bei Anbringung ihrer  Gesuche  sogleich  auch  über  den Besitz der zur
Auswanderung nothwendigen Baarschaft in vollständig verlässiger Art auszuweisen.

8. Auf den Grund des zwischen dem Königreich Bayern und den vereinigten Staaten  von  Nordamerika
bestehenden Freizügigkeitsvertrages wird eine Nachsteuer, ein Abzugsrecht oder eine sonstige Abgabe
bei Ertheilung der Auswanderungs-Bewilligung nicht erhoben.
Ministerial-Bekanntmachung vom 13. November 1845 (Amtsblatt S. 481.)

9. Den  Auswanderern  ist  abzuraten, in  solcher  Jahreszeit  Deutschland  zu verlassen, daß sie erst im
November oder noch später in Amerika eintreffen, weil sonst in  Folge  des  Zufrierens  der  Flüsse  und
Kanäle die Weiterbeförderung sehr erschwert oder unmöglich, der Verkehr nach dem Innern gehemmt, 
die Arbeitsgelegenheit vermindert,  die Ueberfahrt über das Meer aber beschwerlich und gefahrvoll ist.

10. Die Gesuchsteller haben rechtzeitig  einen  durch  Vermittlung  eines  von  der  unterfertigten  Stelle
bestätigten Agenten abgeschlossenen Ueberfahrtsvertrag  beizubringen und hiebei wohl  zu  bemessen,
daß sie bei zu  früher  Vorlage dieser Urkunde,  für den Fall  etwaiger Nichtgewährung ihres  Gesuches,
nicht in Kosten versetzt werden,  oder  durch  verspätete oder  ungenügende  Vorlage  in  Verlegenheit
bezüglich der Reise kommen.
Vor erfolgter Beibringung des Ueberfahrts-Vertrages darf in keinem  Falle die Aushändigung des  Reise-
passes an die Auswanderer Statt finden.

Dem Ueberfahrtsvertrag kann die Anerkennung  des betreffenden  Königl. Landkommissariats  nur dann
zum Theil werden, wenn in demselben das akkordirte  Schiff,  die Zeit der Abfahrt.  sowie der Punkt der
Verköstigung des Auswanderers durch den  betreffenden  Schiffsrheder  für den Fall, wenn  die  Abfahrt
nicht genau zu vertragsmäßig festgesetzten Zeit  erfolgen  würde,  vollständig  festgesetzt  und geregelt
ist, wenn derselbe  ferner von einem für den Regierungsbezirk der Pfalz  von  der  unterfertigten  Stelle
bestätigten Agenten aufgenommen und mit dem Visa des  betreffenden  Königl. bayer Consuls  an dem
Einschiffungsplatz versehen ist.
Ausschreiben vom 31. Jan. 1840 (Amtsblatt S. 44)
Regierungsentschließungen vom 15. Juli 1839, ad Num. 12742 C., 18. Juni 1844 ad Num. 13860 G., 
21. Juli 1846, ad Num. 15712 H., 7. November 1846, ad Num. 2387 M.

11. Wenn  auch  vom  speziellen  Nachweis  der  Aufnahme  des  Auswanderers  in Amerika Umgang zu
nehmen ist,  so  kann  doch  die  Auswanderungsbewilligung  nur  mit  Vorbehalt  der  nachzuholenden
Beibringung der Niederlassungs-Nachweise ertheilt werden.
Ausschreiben vom 9. August 1832, ad Num. 15559 K. 
Wer sich bei einer beabsichtigten Auswanderung an obige  Bedingungen  nicht hält,  hat  verschiedene
große Nachtheile zu gewärtigen und kann namentlich auch am Einschiffungsorte  bei  sich ergebenden
Anständen    auf   eine    consularische   Vertretung   nicht   Anspruch   machen.  Insbesondere   können
Auswanderer deren Ueberfahrts-Verträge mit einer consularischen Bestätigung nicht versehen sind, die
Streitigkeiten mit den Verschiffern über den Vollzug der Ueberfahrts- Verträge, wie  sich  solche  häufig
an den Einschiffungsorten ergeben, auf  eine  Unterstützung  zur  Geltendmachung  ihrer  Beschwerden
nicht rechnen, weßhalb die Erholung des consularischen Visa nie zu unterlassen ist.

Speyer, den 23. Juli 1851.
Königs. Bayerische Regierung der Pfalz,
Kammer des Innern.
Hohe
Luttringshausen.

1852-Neue Speyerer Zeitung

Vereinigte Staaten.
New-York, den 1. Jan.  Im  Jahre  1851  sind in New-York 289,600 Einwanderer  angekommen,  darunter
163,256 aus Irland, 28,553 aus England und 69,883 aus Deutschland.


1852 Der Landbote Nr.16 vom 5.Februar 1852

Mannheim, 1. Feb. Mit  der  Wiedereröffnung  der  Rheinschifffahrt  hat  auch  die  Auswanderung  ihren
Anfang genommen. Von weit über 80,000 Auswanderern, welche im verflossenen Jahre den heimischen
Boden verließen, wurden allein von hier aus über 21,000 befördert und es wäre recht sehr zu wünschen,
wenn überall der Auswanderungslust durch sachgetreue Darlegung der amerikanischen Verhältnisse für
die Folge gesteuert würde; denn an dem Erwerb durch Auswanderung haften nur zu häufig die Thränen
der Verzweiflung.